Donnerstag, 5. November 2009

Okinawa

Am Dienstag kam ich von meiner wahrscheinlich letzten Reise mit Okaasan und Otousan zurueck. Das Ziel war diesmal etwas aussergewoehnlicher: Okinawa.

Okinawa ist die suedlichste Praefektur Japans, gehoerte anfangs zu Japan, galt aber immer als ein selbststaendiges Koenigreich. Durch seine Unabhaengigkeit besitzt es auch eine andere Sprache, auch wenn junge Leute immer mehr zu Japanisch neigen und jeder Einwohner Japanisch sprechen kann. Trotzdem fand ich an allen Ecken und Enden Woerter, die definitv nicht aus dem japanischen Wortschatz stammen. Zu Kriegszeiten wurde es von den Amerikanern besetzt, die es, obwohl es seit geraumer Zeit schonwieder Japan angehoert, immernoch als militaerische Basis nutzen. Okinawa ist prinzipiell sehr warm, wenn nicht sogar heiss, fuer mich hiess es also: von der kaeltesten, in die waermste Praefektur! Zuerst einmal der Grund fuer diese aussergewoehnliche Reise.
Meine Gasteltern fragten mich, wo ich denn gerne in Japan hinfliegen wuerde, denn offensichtlich schenken sie jedem Austauschschueler eine (oder zwei?) Reise. Da ich durch die Klassenfahrt schon in vielen wichtigen Staedten Honshus war, war die Hauptinsel fuer mich eher weniger interessant, auch wenn ich sehr gerne nochmal nach Kyoto fahren wuerde. Als ich dann Okinawa als mein Wunschziel nannte, waren sie sehr ueberrascht. Okaasan und Otousan waren selbst noch nicht da und es scheint generell kein gewoehnliches Reiseziel, zumindest fuer junge Leute, zu sein, vermutlich weil es relativ weit entfernt ist. Nach kleinen Komplikationen bei der Ticketbuchung, wir sind zur Klassenfahrt-Saison gefahren, haben wir mit viel Glueck dann doch noch ein paar Tickets erwischt. Auf der Hinreise machten wir einen Zwischenstop auf dem Flughafen von Nagoya, der fast eine eigene Stadt fuer sich ist! Dort hiess es natuerlich viel essen und fuer mich, weiterhin viel Geschenke kaufen.

In Okinawa begruessten uns am Flughafen erstmal unzaehlige Orchideen, die scheinen bei dem Klima dort prima zu wachsen. Beim ersten Schritt ins Freie sind wir buchstaeblich gegen eine 27 Grad heisse Wand aus unglaublich schwueler Luft gelaufen. Spater stellte sich heraus, dass es selbst fuer Einwohner Okinawas sehr schwuel gewesen war. Am ersten Tag, wir hatten nicht allzu viel Zeit, fuhren wir mit einem Mietwagen zu einem grossen Fischmarkt, auf dem unter anderem Fische mit glaenzender, azurblauer Haut angeboten wurdem, ob sie schmecken, ist natuerlich wieder eine andere Frage. Da Okinawa keine oeffentlichen Verkehrsmittel ausser dem Bus besitzt, kommt man als Tourist eigentlich kaum drum rum, sich ein Auto zu leihen.

Der zweite Tag, ein Sonntag, begann mit einer fruehen Reise zum Shuri-Schloss, mitten in der Hauptstadt Okinawas, Naha. In der Architektur befinden sich fast zu gleich vielen Teilen die Einfluesse Japans, aber auch Chinas. Leider wurde es gerade restauriert, als wir da waren, wir konnten somit nur die Haelfte des eigentlichen Schlosses sehen.
Okinawa ist natuerlich auch fuer diverse Eigenheiten beruehmt. Da waeren zum einen: der Shisa. Ein Shisa ist ein hundsaehnliches Wesen, was vor vielen vielen Jahren aus Afrika ueberliefert wurde. Genauer genommen, waren es die Chinesen, die den Loewen als Figur uebernommen haben und der sich bis zu seiner Ankunft in Okinawa durch die vielen kulturellen Einfluesse nicht nur in Form, sondern auch in Bedeutung veraendert hat. Traditionell werden immer zwei Shisas, Maennchen und Weibchen, auf dem Dach angebracht, um unter anderem das Haus vor boesen Geistern zu schuetzen und je nachdem, in welche Himmelsrichtung sie geneigt sind, das Haus vor Feuer oder Stuermen zu bewahren. Shisa-Figuren konnte ich wirklich an jeder Ecke kaufen, was den Preis leider nicht mindert. Das angefuegte Bild zeigt eine der modernsten Varianten des Shisas: Eine weitere Beruehmtheit ist ein etwas aussergewoehnlicheres Gemuese: die Kartoffel. Doch das ist nicht irgendeine Kartoffel, nein, diese Kartoffel, ist lila. Du koennstest vermuten, dass dort irgendwelche Farbstoffe reingemischt wurden, aber da muss ich dich enttaeuschen. Diese Kartoffel hat von Natur aus ein so saftiges Lila, da wuerde ich glatt denken, die sei vergiftet. Natuerlich ist sowohl Farbe als auch Geschmack, ist echt verdammt lecker, eine gute Voraussetzung, sie in diversen Suessigkeiten zu vermarkten. Wie so eine Suessigkeit aussieht, will ich dir natuerlich nicht vorenthalten (einfach raufklicken):






Auf dem linken Bild kannst du ein sehr beruehmtes Mitbringsel sehen und auf dem rechten ein paar andere, verboten leckere Suessigkeiten. Das dunkle Lila ist die natuerliche Farbe der Kartoffel.

Waehrend unserem Aufenthalt trank ich unentwegt ein sehr populaeres Getraenk, was geschmacklich an Capirinha erinnert, bloss ohne Alkohol. Das Zeug nennt sich Shiikuwasha und wird aus Mini-Mandarinen gemacht. Oft konnte ich Getraenkeautomaten sehen, in denen Shiikuwasha ganze Reihen gefuellt hat.
Sonntag bis zu unserem letzten Tag, Dienstag, verbrachten wir in einem anderen Hotel, einem Resort, genauer gesagt. Das Wetter wurde zunehmends schlechter, es war extrem windig und "nur" noch 22 Grad. Den Spass liessen wir uns dadurch nicht verderben und machten bei hohen Wellen noch eine huebsche Bootsfahrt. Den Abend schlossen wir meistens durch ein Bad in einem der vielen Pools oder der heissen Quelle des Resorts ab.Lustigerweise, war eigentlich gar nicht so lustig, ist bei einem Pool-Gang Wasser in meinem Ohr, aehm, stecken geblieben?! Jedenfalls konnte ich am naechsten Tag nur noch die Haelfte hoeren und wir mussten beim Ohrenarzt erstmal eine Ohrenreinigung machen lassen.
Am Montag fuhren wir in das okinawische Aquarium, dessen Hauptattraktion ein riesiger Tank ist, der u.a. drei gigantische Walhaie beinhaltet. Anschliessend fuhren wir noch zu einer leckeren Ananasfarm und hatten somit die meisten Sehenswuerdigkeiten abgeklappert. Okinawa ist zwar ziemlich gross, aber fast der gesamte noerdliche Teil wird als amerikanische Militaerbasis genutzt, nichts, was man sich anschauen muesste. Die Reise war sehr schoen und diesmal durfte ich eine komplett andere Seite Japans kennenlernen!

Was gibt es sonst so? Vor ca. zwei Wochen hat der Chor meiner Schule, als erster Chor von allen Oberschulen Hokkaidos, den All-Japan-Contest gewonnen! Damit schafften sie es sogar aufs Titelblatt der groessten lokalen Zeitung, ueber den Bericht vom Baseball! Das stimmt auch mich natuerlich unglaublich gluecklich, weil sie es echt verdient haben. Ausserdem haben vor wenigen Tagen Schueler des hoeheren Jahrgangs, den All-Hokkaido-Contest in einer Kategorie gewonnen, die ich schonwieder vergessen habe, gehen aber mit guten Chancen zu dem All-Japan-Contest. Das war es mal wieder aus dem kalten, kalten Hokkaido,
Dein Jonathan

Dienstag, 20. Oktober 2009

Klassenfahrt

Ein weiteres grosses Ereignis ist vorueber: die Klassenfahrt. An der Oberschule findet die Klassenfahrt immer im zweiten Jahrgang statt und alle Klassen fahren zu den gleichen Staedten, an meiner Schule: Tokyo und Kyoto, je nach belieben nach kann man noch nach Osaka! Wenn ich mir so andere Klassenfahrtsziele anhoeren durfte, wie Hawaii oder Tokyo Disneyland, wurde ich schon ein wenig neidisch, ging aber trotzdem voller Vorfreude mit meinen Klassenkameraden Richtung Tokyo! Der Preis der Klassenfahrt, der meiner Schule ist so ziemlich im Durchschnitt, belaeuft sich auf umgerechnet 900 Euro, was besonders fuer die Fluege und die superteuren Hotels draufgeht. Ausserdem gibt es an den meisten Schulen eine Begrenzung fuer das Taschengeld, welches man mitnehmen darf. Meine Begrenzung belief sich auf 400 Euro. Trotzdem gab es Leute, die mehr mitgenommen haben und an anderen Schulen ist die Grenze noch hoeher gesetzt. In Japan ist es anscheinend Tradition, jemandem Taschengeld mitzugeben, wenn er auf eine Reise geht, unter anderem auch, weil man natuerlich etwas mitgebracht haben moechte. So habe ich von Okaasan und Otousan, der AFS-Chefin von Obihiro, meinem LP und sogar einer Freundin Okaasans sehr, sehr, seeeeehr viel Taschengeld bekommen. Doch komme ich erstmal zu dem Aufenthalt in Tokyo.

Am Abreisetag haben wir, das heisst meine und vier andere Klassen, den ersten Flieger von Obihiro nach Tokyo an diesem Tag genommen, um moeglichst viel Zeit fuer den Aufenthalt in Tokyo zu haben. Dort angekommen ging es auch gleich los und meine Gruppe (Keisuke, Fujisaki, Fuseya) und ich stuerzten uns gleich in die ersten, mit Menschen ueberfuellten Gebiete. Der erste Tag war eigentlich eine einzige Shopping-Tour, auch wenn ich nicht wirklich etwas gekauft habe, weil der Preis mir dann doch manchmal nicht sehr geheuer war. Auf Sightseeing war unser Ausflug nicht wirklich ausgelegt, immerhin sind das ja Oberschueler und da steht erstmal Einkaufen im Vordergrund, war etwas schade, aber trotzdem lustig. Trotzdem konnte ich doch noch einige interessante Dinge erspaehen, zum Beispiel habe ich mit eigenen Augen gesehen, dass es eine zweite Freiheitsstatue gibt! Ausserdem waren wir noch im Hard Rock Cafe und sind in einer riesigen Achterbahn, die mitten in Tokyo steht, gefahren. Anschliessend waren wir in einem Restaurant essen, in das wir eigentlich nur meinetwegen gegangen sind. Warum? Ganz einfach - es heisst jonathan's.
Wir warteten eine Weile auf unser Essen, hatten aber nicht wirklich viel Zeit und nach dem zwanzig Minuten verstrichen waren und wir nur noch zehn hatten, um zu unserem Hotel zu kommen, sind wir aus dem Restaurant gefluechtet, ohne dass Keisuke sein Essen bekommen hatte (Ja, wir haben noch bezahlt). Nach vergeblicher Suche und Ueberschreitung des Zeitlimits haben wir dann ein Taxi genommen und kamen zehn Minuten zu spaet an, was uns einen riesigen Aerger beschert hat. Noch dazu wurde uns unsere einstuendige Freizeit fuer den naechsten Tag geraubt, was nicht sonderlich schlimm war, denn schliesslich hatte Fujisaki sich eine Playstation 3 gekauft und es gab somit keine Zeit fuer Langeweile! Der zweite Tag war eher weniger Interessant, ich bin zu "Kellog's" mit ein paar anderen Leuten gegangen und habe dort viel Cerealien bekommen, die ich mit nach Hause nehmen durfte. Danach ging es noch in eine weniger interessante Universitaet und das war auch schon der zweite Tag. Das tollste an der Klassenfahrt, war der dritte Tag.
Am dritten Tag sind wir im fruehen Morgen mit dem ICE Japans, dem Shinkansen, nach Kyoto gefahren. Kyoto ist ziemlich bekannt als die japanischste Stadt Japans und tatsaechlich, als ich die ersten Minuten in der Stadt war, fuehlte ich mich ins Altjapan versetzt. Wir machten mit dem Bus eine Tour und haben auf dem Weg zu diversen Sehenswuerdigkeiten natuerlich einiges von der Stadt gesehen, unter anderem auch ein McDonalds in japanischem Stil. Unser erstes Ziel war ein Schloss und ich war, und bin es immernoch, unglaublich begeistert von der japanischen Architektur, die sich einfach so unterscheidet von z.B. Schloessern die ich bisher gesehen habe. Im inneren des Schlosses herrschte leider strenges Fotoverbot, dabei haette ich dir so gerne dieses fabelhafte Schloss gezeigt. Deswegen beschraenkt sich mein Fotorepertoire nur auf das Aeussere, was dem Inneren aber nur wenig nachsteht!
Anschliessend fuhren wir zur beruehmtesten Sehenswuerdigkeit Kyotos, dem Kinkakuji (Kinkaku-Tempel). Als ich den Tempel sah, ist mir im wahrsten Sinne des Wortes die Spucke weggeblieben. Auf einmal steht da diese perfekte Fusion aus Gold und Tempel vor mir und ich konnte gar nicht genug Fotos machen! Leider darf man den Tempel nicht betreten, sondern ihn nur von aussen betrachten. Aus allen Winkeln und Ecken, aus denen ich Fotos geschossen habe, hier das meiner Meinung nach Beste:Danach fuhren wir noch zu diversen anderen Tempeln und Schreinen, die allesamt wirklich unglaublich schoen sind. Schon nach diesen ersten Stunden in Kyoto, und ich habe bei weitem noch nicht alles gesehen, kann ich sagen, dass es von allen Staedten, die ich bisher auf der Welt gesehen habe, die schoenste ist. Ich kann es kaum erwarten dort wieder hinzugehen und eine ausgiebige Sehenswuerdigkeiten-Tour zu machen, angeblich braucht man dafuer mindestens fuenf Tage, wenn man alles sehen moechte.
Der dritte Tag war wieder ein Freizeit-Tag. Da Kyoto wirklich auf Sehenswuerdigkeiten, bzw. dieses Altjapan spezialisiert ist, junge Japaner aber eher Interesse an lustigen Sachen haben, sind wir nach zwei drei besuchten Tempeln so schnell wie moeglich nach Osaka gefahren. Per Zug dauert das gute 40 Minuten, denn Osaka ist praktisch gleich nebenan. Hauptsaechlich ging es in Osaka ums Essen, denn Osaka ist beruehmt fuer z.B. Takoyaki (Tintenfisch in einer Teighaut zu Baellen geformt) oder Okonomiyaki, hat nichts mit Oekonomie zu tun und laesst sich auch etwas schwerer erklaeren. Ehrlich gesagt war ich froh, als wir wieder in unserem Hotel in Kyoto waren, Osaka ist irgendwie kein Ort, an dem ich mich wohlfuehlen koennte.
Der naechste und somit letzte Tag begann mit einer Bustour nach Osaka, diesmal aber etwas interessanter gestaltet, weil wir wieder per Klassenverbund gefahren sind. Das erste Ziel war das Schloss von Osaka, wunderschoen, doch wurde es meiner Meinung nach durch etliche Verglasungen und die ganze moderne Einrichtung im Innern, z.B. einem Fahrstuhl, ein wenig entstellt. Leider hatten wir nicht viel Zeit, aber natuerlich auch hier wieder ein Foto:Danach ging es noch in ein riesiges Aquarium, fand ich persoenlich eher weniger interessant, und anschliessend traten wir den schweren Weg zur Rueckreise an.

Auf dem Rueckflug wurde mir dann erst so richtig bewusst, dass ja schon Herbst ist! Aus dem Flugzeug habe ich dann noch dieses tolle Foto eines Waldes in der Naehe von Sapporo geschossen, hat irgendwie etwas von einem Schokoladen-Muesli, finde ich. In gut zwei Wochen geht es nach Okinawa und dann ist das Thema Reisen leider, leider, leider (ich kann es garnicht oft genug sagen) erledigt! Ich wuerde echt gerne nochmal nach Kyoto fahren oder andere Staedte wie Nagasaki oder Hiroshima sehen. Aber was kann ich mich beschweren, ich habe schon mehr Staedte gesehen, als so mancher Japaner und habe natuerlich noch in Zukunft Zeit, Japan zu bereisen! Bis zum naechsten Eintrag,
Dein Jonathan

Montag, 12. Oktober 2009

Zeichentrick goes reality

Knapp eine Woche ist es nunmehr her, da beendete ich erfolgreich den vierten und wahrscheinlich letzten Marathon in diesem Jahr hier. Der Marathon fand diesmal in Sapporo statt, der Hauptstadt Hokkaidos, dementsprechend waren auch sehr viele Leute anwesend. In diesem Jahr haben sich allein fuer den Halbmarathon ueber 6000 Leute angemeldet! Zu dem Marathon gibt es nicht viel zu sagen, er verlief wie jeder andere auch. Was mir weniger an dem Marathon gefallen hat: durch die extreme Menschenmenge konnte ich erst nach 7km meine eigentliche Geschwindigkeit laufen und habe somit natuerlich eine langsamere Laufzeit, als ich sie eigentlich haette. Durchschnittlich wird das wohl mein bester Marathon gewesen sein, wenn eben nicht das Hindernis mit den anderen Laeufern anfangs gewesen waere. Meine Zeit belaeuft sich auf ca. 1:47h, das genaue Ergebnis werde ich in ein paar Wochen per Post bekommen!
Waehrend ich mit Otousan und Okaasan in Sapporo war, gab es fuer mich einen Laden, zu dem wir einfach hin mussten: das Pokemon-Center! Pokemon weckt ja bei mir gleich Erinnerungen an die Kindheit, Grund genug, einfach mal in dem Center vorbeizuschauen. War ehrlich gesagt nicht so toll wie erwartet, denn das Center nimmt zwar ein ganzes Stockwerk ein, besteht aber hauptsaechlich aus Spielautomaten. Ausserdem gibt es einen kleinen Laden, der, wenn man bedenkt, wie viele Jahre es Pokemon schon in Japan gibt und wie beliebt das hier ist, leider auch nur ziemlich wenig verkauft hat. Nachdem wir in diversen Laeden noch ein paar Mitbringsel gekauft hatten, wars das auch schon mit unserem Sapporo-Aufenthalt gewesen.

Genau drei Tage spaeter bin ich aber wieder nach Sapporo, zwecks Debattier-Contest. Am ersten Tag wurde nur die Reihenfolge der Sprecher bestimmt und um ein wenig in Stimmung zu kommen, gab es dann noch ein Quiz. Ich konnte meinem Team kaum helfen, aber wir haben uns trotzdem sehr gut geschlagen, am Ende hatten wir nur eine Frage falsch. Bei der Auswertung sind wir dann doch nicht erster geworden, obwohl die erstplatzierten auch nur eine Frage falsch hatten. Da es trotzdem noch einen Preis gab, wurde an alle Teams eine Bonusfrage gestellt: Welches Team hat in der Fussball-WM 1996 gewonnen? A: Deutschland B: Frankreich. Sofort kam mir das Sportsfreunde Stiller-Lied in den Kopf und da dort 1996 nicht erwaehnt ist, sagte ich meinem Team, sie sollen fuer Frankreich stimmen. Gesagt, getan, die Aufloesung: Deutschland! Ich dachte mir: "Nee, das kann gar nicht sein." Wenig spaeter ist mir dann noch eingefallen, dass es 1996 nicht mal eine WM gab! Soviel also zu dem Quiz.

Am naechsten Tag war ich mit meiner Rede dran, als letzter von 21 Teilnehmern. Meine Rede lief super, es wurde ueberraschend viel gelacht und ich hatte ein echt gutes Gefuehl, zumal mich nach der Rede die meisten der anderen Teilnehmer noch beglueckwuenschten, eben weil sie so gut gelaufen ist. Den Rest des Tages verbrachte ich mit Otousan und meiner Schwester und fiel abends ziemlich erschoepft, aber gluecklich, ins Bett. Am letzten Tag folgten noch die anderen 22 Beitraege und letztendlich auch die Siegerehrung. Siegessicher hoerte ich mir die Verkuendigung der Gewinner an. Kein Preis fuer mich! Wirklich schade, mir ist aber ziemlich schnell klargeworden, dass ich von vornerein keine Chance hatte. Wie es auch sein muss bei so einem Contest, wurde ich fair nach japanischen Massstaeben bewertet und da meine Aussprache natuerlich bei weitem nicht die eines Japaners ist, habe ich meine Rede praktisch wie ein Japaner mit schlechtem Japanisch gehalten. Trotzdem hat der Contest echt Spass gemacht und ich wuerde auch immer wieder mitmachen. Ich freue mich fuer die Gewinner, denn die waren wirklich, wie sagt man so schoen, erste Sahne, hehe. Waehrend einer Shopping-Tour in Sapporo habe ich dann noch folgendes Foto geschossen:Wenn das nichtmal eine habenswerte Tasche ist!
Was gibt es sonst so? In wenigen Tagen habe ich endlich die Klassenfahrt! Meine hat so ziemlich den Durchschnittspreis und kostet schlappe 1000 Euro! Noch dazu kommt das Taschengeld, denn Staedte wie Tokyo und Kyoto sind nur allzu beruehmt fuer ihre Wucherpreise. Trotzdem hoffe ich, das die Klassenfahrt ein sehr schoenes Erlebnis wird.
Gestern haben Okaasan und Otousan die Tickets fuer Okinawa gekauft, heisst es also nur noch gute zwei Wochen warten und voila, ich bin in Okinawa. Im Oktober kann ich mich, was das Reisen angeht, wirklich nicht beklagen.
Zu guter letzt: in den obihiroischen Bergen ist vor einigen Tagen der erste Schnee gefallen! Wahrscheinlich dauert es nur noch einige Woche und ich darf durch die ersten dicken Schneeschichten waten. Bis dahin ist aber noch ein wenig Zeit und Sonne zum Geniessen des Wetters gibt es genug.
Dein Jonathan